Thüringer Erik Lesser bei Biathlon-EM in Slowakei dabei

Datum: Montag 30. Januar 2012 / Kategorie: Presse

Erik Lesser (23), Enkel des früheren Skilangläufers Axel Lesser (65), startet für Eintracht Frankenhain. Er gilt als eines der größten Thüringer Talente. Foto: Sascha Fromm

In der Slowakei beginnt am Freitag die Biathlon-EM. Mit Thüringens Medaillenhoffnung Erik Lesser sprach Marco Alles.


Mit Juliane Döll und Ihnen ist Thüringen bei der Biathlon-Europameisterschaft in Osrblie vertreten. Was bringen sie aus der Slowakei mit?

Ich persönlich liebäugle natürlich mit einer Medaille. Einerseits, weil ich gute Erinnerungen an die Strecke habe. Letztes Jahr konnte ich zwei IBU-Cup-Rennen hier gewinnen. Andererseits bin ich am Schießstand endlich wieder stabil geworden.

Woran haperte es in den ersten Wettkämpfen des Winters?

Am Kopf. Ich denke schon, dass ich schießen kann. Es lag an der Konzentration. Aber jetzt ist die Treffsicherheit zurück. Nach den letzten Trainingseinheiten bin ich sehr zuversichtlich.

Sind Sie nicht trotzdem traurig darüber, bei der EM anstatt bei der WM an den Start zu gehen?

Nein, ich laufe lieber selbst als anderen zuzuschauen.

Sie spielen auf Ihre Ersatzrolle bei der WM 2011 im sibirischen Chanty-Mansijsk an . . .

Das war natürlich seine schöne Erfahrung - und zu den besten sechs deutschen Biathleten gehört zu haben, hieß ja auch etwas. Aber selbst um den Sieg zu kämpfen, ist doch was anderes.

Warum schafften Sie in dieser Saison den Sprung in die Weltcup-Mannschaft nicht?

Weil wir ein starkes Team haben. Simon Schempp und Michael Rösch sind zurückgekehrt. Florian Graf bringt konstant gute Leistungen. Um da dazuzugehören, muss man von Anfang an dabei sein. Während der Saison reinzurutschen, ist schwer. Das hat selbst Daniel Böhm gespürt, der mit mir hier antritt.

War die Heim-WM in Ruhpolding nicht Ihr großes Ziel?

Ich habe mir im Sommer ganz bewusst keine Ziele gesetzt, um mir nicht selbst zu viel Druck zu machen. Ich wollte Rennen bestreiten, nach denen ich sagen konnte: Das war gut. Zumindest läuferisch ging es gegenüber den Vorjahren auch besser.

Im zweitklassigen IBU-Cup gehören Sie zur Spitze, bei Ihrer Weltcup-Chance im Januar in Nove Mesto landeten Sie abgeschlagen im Feld. Ist der Niveau-Unterschied so groß?

Der ist gewaltig. Doch das will ich nicht als Ausrede gelten lassen. Im Sprint und vor allem im Einzel bin ich in Nove Mesto meiner Form hinterhergerannt. Da war die 14.-beste Laufzeit in der Verfolgung nur ein schwacher Trost. Aber diese Leistung muss mein Anspruch sein.

Am Samstag steht zum Auftakt in Osrblie der Sprint auf dem Plan. Ihr Lieblingswettkampf?

Mir liegt eigentlich das doppelt so lange Einzelrennen mehr. Da muss man nicht auf jedem Meter Druck machen, sondern kann gleichmäßiger laufen. Aber ich will natürlich weit vorn landen.

Ist der Sieg in der IBU-Cup-Gesamtwertung ein Ziel?

Sollte ich nicht mehr im Weltcup eingesetzt werden, dann auf jeden Fall. Aber ich will mich mit einer guten EM schon noch einmal empfehlen.

Was halten Sie von den Plänen der Skiverbandsführung, Langläuferinnen im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2014 zu Biathletinnen umzuschulen?

Das ist weit hergeholt. Vor allem in der Kürze der Zeit ist es, meiner Meinung nach, nicht möglich, den Umgang mit der Waffe zu lernen. Da gehört mehr dazu, als anzulegen und zu schießen.